The Nuclear-Free Future Award

für eine Zukunft frei von Atomwaffen, Atomenergie und Uranmunition

Raúl Montenegro

Raul Montenegro

The
Nuclear-Free Future
Award

is presented by the
Franz Moll Foundation
for the Coming Generations
to

Raúl Montenegro

Argentina

 

for his unflagging,
knowledgeable activism
altering Argentinean public opinion
and kick-starting energy policy change.

Salzburg,
5 November 1998

Raúl Montenegro

Wer sich ein Bild von Raúl A. Montenegro machen will, fragt man besten seine Gegner, die südamerikanische Atom-Lobby: Kaum jemand hat deren Pläne nachhaltiger durchkreuzt als der heut 50-jährige Biologe Raúl A. Montenegro, kürzlich mit der Ehrendoktorwürde der Universität von San Luis ausgezeichnet. In Argentinien ist sein Name ein Synonym für "Mut im Angesicht der Giganten". Deren Ende wäre ohne Dr. Montenegro wohl Wunschtraum geblieben: 1989 mußten die Los Gigantes Uranminen dichtmachen, nachdem sie sechs Jahre lang den San Antonio verseucht hatten. Ein Meilenstein – ein Stolperstein für eine Branche, die Menschenopfer gern als Entwicklungs– oder Nebenkosten in ihren Bilanzen versteckt.


Montenegro war entscheidend daran beteiligt, Guatemala vor der Errichtung einer Nuklear-Anlage (Typ Candu 3) zu bewahren. Ihm ist es ganz wesentlich zu danken, daß die skandalöse Wurstigkeit, mit der Plutoium 239 vor Südamerikas Westküste verschifft wurde, an die Öffenlichkeit gelangte und weltweit zum Thema wurde.


Lecks und Unfälle beim "Normal"-Betrieb der argentinischen Atomkrafwerke Embalse und Atucha 1 (die Tritium-3-Vergiftung von Embalse-Arbeitern im Jahr 1996 war nur ein Kapitel in der chronique scandaleuse nucléaire) hat Raul Montenegro mit wissenschaftlicher Unerbittlichkeit aufgedeckt, analysiert und publiziert. Spätestens seit diesem Zeitpunkt schwimmt Argentiniens Atom-Lobby in "schwerem Wasser" gegen den Strom der öffentlichen Meinung. Dr. Montenegro initierte diverse Demonstrationen – mit anderen Worten, er kümmerte sich darum, daß seine Erkenntnisse öffentlichkeitswirksam wurden.

"Ein einzelner Baum in der Tropen übertrifft jeden Reaktor am Komplexität – und ist frei von Komplikationen."


Und auch auf einem anderes Kampffeld, das Naturwissenschaftler nach Möglichkeit meiden, brillierte er mehrfach: Im Dezember 97 reichte er zum Beispiel Klage ein gegen den Präsidenten der Atomic Energy Agency of Argentina (CNEA) und den Vorsitzenden einer Betreibergesellschaft.


Beide hatten sie in einer 25-Mwe-Anlage im Juli 97 in unmittelbarer Nähe der Großstadt Bariloche illegale Tests durchführen lassen. Montenegros Kampf gegen diverse Endlagerungs-Projekte zeigte Wirkung: Kürzlich wurde das Gastre-Project (Endlager hochradioaktiver Abfälle) in der Chubut Provinz, Patagonien, endgültig verworfen. Ein Endlager-Projekt für leichtstrahlendes Material nahe Salinas Grandes stoppte Montenegro schon 1993 auf dem Klageweg.


Solche Erfolge – man ahnt es, aber man macht es sich nicht immer wirklich klar – ruhen auf einem Unterbau solider wissenschatlicher Arbeit. Ausufernd die Liste von Publikationen, Gutachten, Vorträgen, Studien, erfolgreich geleiteten Kommissionen, ehrenamtlichen Tätigkeiten. Legion auch Montenegros Radio- und Fernsehauftritte: und hier besondes seine Fähigkeit, wissenschaftliche und halbkriminelle Verwicklungen für ein Laienpublikum zu entwirren.


Wer den Mann würdigen will, begibt sich leicht in die Gefahr des Eklektizismus: War die Verhinderung der Wiederaufbereitungs-anlage in Enziera(1988) nun wichtiger als die gelungene Aushebelung einer Cobald 6O- Bestrahlungsanlage 1992? Oder die 12 Städte, die sich zu atomfreien Zonen erklärt haben? Oder ist es am Ende die positive Dunkelziffer, die besondes zählt: all das, was sich Argentiniens Atomlobby heute schon nicht mehr zu lancieren traut, weil es Montenegro gibt und inzwischen auch eine stets wachsende Zahl von Schüler und Schülerinnen – innerhalb und außerhalb der Wissenschaftler-Gemeinde.

–Claus-Peter Lieckfeld

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