The Nuclear-Free Future Award

für eine Zukunft frei von Atomwaffen, Atomenergie und Uranmunition

Jonathan Schell

Jonathan Shell

The
Nuclear-Free Future
Award

is presented by the
Franz Moll Foundation
for the Coming Generations
to

Jonathan Schell

USA

for laying down
for all to see
the shining thread out of the labyrinth
of our nuclear madness

Jaipur,
28 November 2004

Jonathan Schell †

Weltbeweger waren häufig Menschen, die das Undenkbare dachten – und es dann nicht beim Denken beließen. Jesus, der Liebe zum obersten Weltgesetzt erhob; die Vordenker der Französischen Revolution, die – lange auf verlorenem Posten – die naturrechtliche Gleichheit der Menschen einforderten; Gandhi, der vorlebte, dass Pazifismus und Wehrlosigkeit beileibe nicht das Gleiche sind.


Solche Menschen (ihr prozentualer Anteil an der Weltbevölkerung bewegte sich zu allen Zeiten im 'Null-Komma-Nullnullnullnull-Irgenwas-Bereich') eint vor allem eine Fähigkeit: Eine Idee lebenslang leben zu können, ohne sich dabei von den "realen Kräfteverhältnissen" in die Knie zwingen zu lassen.

Viele schaffen so etwas eine Zeitlang. Man denke nur an die idealistische Jugendphase. Wer hatte die nicht! Oder geopferter Urlaub für wohltätige Zwecke. Vielleicht auch die "tätige Reue" eines Ex-Global Players, der nach Karriere-Ende auf seine alten Tage auf Sinnsuche geht. All das soll nicht hochnäselnd bekrittelt werden – es ist aller Ehren wert und soll uns den Maßstab liefern für die Lebensleistung von Leuten wie Jonathan Schell

Der 1943 geborene New Yorker Journalist schreibt seit den späten sechziger Jahren – teils in der Bestseller-Kategorie – gegen Krieg und Nuklearrüstung. Richtig, da gibt es ein paar mehr, die das taten und noch tun. Aber wohl keiner zentriert seine Bücher – fast ein Dutzend an der Zahl – so konsequent um einen Begriff. Einen, der von diversen Totschlag-Argumenten ( ... klappt nie! ... unrealistisch! ... naiv! ) umstellt ist. Das Wort heißt: "Abolition". Abschaffung aller Atomwaffen, weltweit! Und die USA als der Ort des größten Vernichtungspotentials müssen den Anfang machen, sagt Schell.

Wie unpopulär dieser Gedanke (noch) ist, konnte Schell an seinen Auflagen ablesen. Während "Das Schicksal der Erde" (1982), eine faktenreiche, ergreifende Abhandlung über die menschliche Fähigkeit zur Selbstvernichtung, zum Weltbestseller wurde, ging das Nachfolgebuch "The Abolition" (1984), fast unbemerkt in der allgemeinen Publikationsflut unter. In diesem Buch legte Schell dar, dass auf längere Sicht nur eine radikale atomare Abrüstung Rettung bringen kann.

"Da es nach unserem Aussterben niemanden mehr geben wird, der dafür die Verantwortung übernimmt, müssen wir schon heute die volle Verantwortung dafür übernehmen."

Der relative Misserfolg (relativ: auch Schells weniger verbreitete Bücher wie "Unconquerable World" und "The Gift of Time" wurden zu geistigen Waffen der Anti-Atombewegung) spornte den Autor an. Er gab seinen Einzelkämpferstatus auf und gründete mit anderen Aktivisten wie General Lee Buttler, einem ehemaligen Kommandeur der strategischen Luftstreitkräfte der USA, mit Senator Alan Cranston und David Cortwright die "Second Chance Foundation", SCF. Die SCF erarbeitete eine Resolution ("The Urgent Call to End the Nuclear Danger"), die schnell so etwas wie der Basistext für Friedensgruppen wurde. Schell war überdies an der Entwicklung von Lerneinheiten beteiligt, die soziale Verantwortung in den Mittelpunkt stellen. Seine Kurse, Vorträge und Schulungen haben schon Zigtausenden Motivation und Inspiration vermittelt. Im Herbst 2003 konnte Schell als Lehrer sein Wissen an der berühmten Yale-Univerität weitergeben.

Was den Mann, der seine ersten Meriten im Kampf gegen den Vietnamkrieg erwarb, so unwiderstehlich macht, ist dreierlei: Sein Wissen erreicht Leser und Zuhörer stets perfekt portioniert. Sein geschliffener Schreibstil macht selbst Schwerverdauliches zum Lesegenuss. Und drittens: Schell kann ethisch fundierte Positionen deshalb so glaubhaft vertreten, weil er nie in den Tonfall eines Predigers abrutscht. Nie muss "Moral" als Füllmasse für lückenhafte Argumente herhalten.

Und häufig gelingt es Schell, Begriffe zu setzen, die zu Brückenköpfen in der öffentlichen Auseinandersetzung werden. Wie jüngst in seiner in der Zeitschrift The Nation veröffentlichten Philippika gegen den "vorbeugenden" Irak-Krieg der USA. Schell spricht von der "anderen Supermacht" und meint damit die zigmillionen Erdenbürger. Und manchmal gelingen Schell Sätze von so durchschlagender Logik, dass sie wie kollektives Bewusstsein der Anti-Nuke-Bewegung dastehen: "Da es nach unserem Aussterben niemanden mehr geben wird, der dafür die Verantwortung übernimmt, müssen wir schon heute die volle Verantwortung dafür übernehmen "

Schell macht Mut, ohne die Gefahren auszublenden oder die vielen Ungeheuerlichkeiten zu verkleinern. Das Pentagon mag ihn nicht, denn Schell erreicht nicht nur diejenigen, die für die Pentagon-Boys sowieso verloren sind.

Aber auch das ist wahr: Schells Vorstellung, God`s Own Country habe die entschiedensten und größten Schritte zur totalen nuklearen Abrüstung zu gehen, ist den allermeisten US-Bürgern immer noch fremd und höchst unheimlich.


Die Jury des NFFA ehrt mit Jonathan Schell einen Vorläufer der nuklearfreien Zukunft, einen Marathon-Mann, einen künstlerisch begabten Journalisten und Aufklärer. Einen der wichtigsten "anchor men" weltweit.

–Claus-Peter Lieckfeld

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